Ein zeitloses Handwerk für Jahrhunderte – Kleine Zeitung

Veröffentlicht im Regionalteil Weiz in der Kleinen Zeitung-Ausgabe vom 11.11.2020

Von Julia Binder

Blick in den Verkaufsraum von
Jakob Tiebers „Zeitwerkstatt“
Konzentriert arbeitet der junge Uhrmachermeister an einer seiner Werkbänke

Der 21-jährige Uhrmachermeister Jakob Tieber hat heuer im März in Markt Hartmannsdorf ein Uhrengeschäft samt Werkstatt eröffnet.

Mit dem Eintreten strömt augenblicklich ein Geruch nach altem Holz in die Nase. Der Blick fällt auf gut zusammengeräumte Werkbänke und vor allem: unzählige an der Wand hängende Uhren, deren unterschiedliches Ticken jeden Winkel des Raums erfüllt. Hier, im Ortskern von Markt Hartmannsdorf, hat Jakob Tieber heuer im März seine „Zeitwerkstatt“ samt Uhrengeschäft eröffnet, sich somit selbstständig und sein Hobby zum Beruf gemacht.
Der 21-Jährige hat sein Interesse für Antiquitäten, insbesondere für Uhren, quasi in die Wiege gelegt bekommen. „Mein Vater sammelt Antiquitäten, seit ich denken kann. Er hat mir meine erste Taschenuhr gegeben, auf die ich aufpassen sollte, so hat es dann seinen Lauf genommen“, sagt Tieber.
Auch Verwandte und Bekannte unterstützten bereits sein frühes Hobby: „Schon mit drei Jahren habe ich von Verwandten diverse Uhren und Wecker bekommen. Diese habe ich dann mit einem Hammer mehr oder weniger repariert“, erzählt der Uhrmachermeister lachend.
Nach der Pflichtschule besuchte Tieber die vierjährige Fachschule für Uhren- und Präzisionstechnik in Karlstein an der Thaya im oberen Waldviertel. „Die Werkstätten in der Schule waren ein Traum, da wusste ich dann sofort, dass das für mich passen würde“, so Tieber. Nach seiner Schulausbildung hat er 2018 auch den Meisterkurs erfolgreich absolviert.
Heuer im März wagte er, trotz der sich anbahnenden Corona-Krise, den nächsten Schritt und eröffnete sein eigenes kleines Geschäft inklusive Werkstatt.
„Die Krise bereitet mir keine Sorgen, da ich derzeit mehr als genug Arbeit habe – vielleicht sogar ein bisschen zu viel“, schmunzelt der 21-Jährige.
Zu seinen Tätigkeiten zählen neben der Reparatur und Restauration von Großuhren (Pendel-, Kirchen-, Stand- und Wanduhren) und Kleinuhren auch das Kürzen von Armbändern, Batteriewechsel und die Anfertigung von Ersatzteilen für Klein- und Großuhren. Ein Schmied in Liebensdorf schmiedet ihm auf Wunsch auch Ersatzteile für Kirchenuhren.
„Einen meiner Werktische habe ich so platziert, dass man von draußen durch das Schaufenster sieht, was ich gerade mache. Gelegentlich bleiben einige Passanten stehen und schauen mir eine Weile zu“, sagt Tieber. Neben ortsansässigen Kunden und Stammkunden hat er sich bereits einen Kundenkreis, der über die Landesgrenzen hinausreicht, aufgebaut.
Der junge Uhrmachermeister ist derzeit einer von nur wenigen im Bezirk Weiz, die dieses traditionelle Handwerk noch ausüben.
„Ich liebe meine Arbeit mit mechanischen Uhren, sie – und somit meine Arbeit – überdauern Jahrhunderte. Gerade, weil es fast keine Uhrmacher mehr gibt, bin ich stolz auf dieses Handwerk und möchte mir einen Namen machen“, so Tieber. „Ausgerüstet wäre ich zumindest schon ganz gut. Ich gehe nie fort, besuche selten Kinos und Restaurants und gebe jeden Cent, den ich verdiene, für Uhren aus. Das ist der einzige Luxus, den ich mir gönne.“

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