Veröffentlicht in der
gaudium-Ausgabe Nr. 48 – Frühling 2026
Das Magazin aus dem Thermen- und Vulkanland Steiermark
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Die Zeitwerkstatt
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Jakob Tieber arbeitet mit Leidenschaft dort, wo die Zeit wieder richtig tickt.
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Es tickt, rattert und gongt an allen Ecken der kleinen Werkstatt in Markt Hartmannsdorf. Die Geräusche alter Uhren erfüllt den Raum mit Leben. „Ich hör das gar nicht mehr“, überrascht Jakob Tieber lachend mit seiner Antwort, als er auf die vielen Uhrwerke um ihn herum blickt. Der 26-Jährige aus Pöllau hat sich in seiner „Zeitwerkstatt“ dem Uhrmacher-Handwerk verschrieben – von 300 bis 400 alten Stücken bis zu modernen kleinen Armband- und Taschenuhren. Jedes Stück, das über seinen Tisch wandert, bekommt funktionstüchtig neues Leben eingehaucht. „Es gibt nichts, was nicht reparierbar ist. Je älter, umso lieber“, sagt er glaubhaft.
Der junge Uhrmacher begegnet der Zeit in all ihren Formen – von der Renaissance über das Biedermeier bis in die Gegenwart – und jede Epoche offenbart eigene Mechaniken, die verstanden und gemeistert werden wollen – bis alles wieder läuft wie geschmiert.
Schon als Kind konnte Tieber Uhren kaum widerstehen. „Mit drei Jahren habe ich alte Wecker und Küchenuhren auseinandergenommen – damals natürlich mit dem Hammer“, erzählt er schmunzelnd. Heute arbeitet er feinfühlig mit der kleinen Drehbank und kann winzige Zahnräder und Federhäuser präzise anfertigen oder justieren. Alte Uhren verlangen größte Sorgfalt. Mechanismen variieren stark: Federgetrieben, Gewichtgetrieben, Pendelunruh oder Spindelhemmung, jedes Uhrwerk benötigt spezielles Know-how. Ersatzteile müssen exakt passen, sonst läuft die Uhr ungenau. Viele Teile fertigt er selbst an – ein äußerst selten gewordenes Handwerk, das Geduld, Können und Hingabe erfordert. Erlernt hat der Hartmannsdorfer sein Wissen an der Fachschule für Präzisions- und Uhrentechnik in Karlstein an der Thaya. Dort absolvierte er den Meisterkurs und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Ausgerechnet zum ersten Lockdown eröffnete er im Ortszentrum seine Werkstatt samt Geschäft.
Heute umfasst sein Leistungsspektrum den Verkauf neuer Armbanduhren ebenso wie die fachgerechte Reparatur und Restauration von Groß- und Kleinuhren. Darüber hinaus bietet er Batteriewechsel, Reinigungen, Bandkürzungen sowie die Anfertigung spezieller Großuhrenteile an.
Seine Kundschaft schätzt dabei nicht nur seine Handwerkskunst, sondern auch die Begeisterung, die Jakob Tieber in jedes Werk steckt. „Viele Uhren sind Erbstücke oder Liebhaberobjekte – mit tiefem emotionalem Wert, wie etwa die Uhr von Oma oder Opa sowie historische Exemplare aus umliegenden Schlössern“, schildert er. Jeder Takt erzählt ein Stück gelebtes Leben. Uhren sind daher für viele oft mehr als nur Zeitanzeiger – sie tragen Erinnerungen und werden zu geliebten Sammlerstücken.
In der „Zeitwerkstatt“ greift ein Rädchen ins andere: Präzision, Geduld und eine Liebe zum Detail verschmelzen hier zu einem Ort, an dem an dem alle Komponenten wieder perfekt aufeinander abgestimmt sind. Jakob Tieber ist also mehr als nur Uhrmacher – er ist auch Bewahrer vergangener Zeiten. ![]()
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