Veröffentlicht in der Rubrik – BUSINESS-KOPF DER WOCHE – in der Kleinen Zeitung-Ausgabe vom 28.01.2026
Von Julia Kammerer
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| Jakob Tieber bei seiner Berufung |
2020 öffnete Jakob Tieber als 21-jähriger Uhrmachermeister sein Geschäft.
Der 26-jährige Jakob Tieber aus Pöllau bei Gleisdorf ist einer von wenigen Uhrmachermeistern, die es noch gibt. Gelernt hat er sein Handwerk nicht wie erhofft als Lehrling in einem Betrieb, sondern in der Fachschule für Präzisions- und Uhrentechnik im niederösterreichischen Karlstein.
Kein Betrieb hat den jungen Oststeirer damals aufgenommen. Unverständlich war das für ihn. Heute sieht er das anders: „Es ist einfach nicht möglich als Einzelunternehmer. Man muss dem Lehrling etwas beibringen. Dann bleibt aber die eigene Arbeit liegen“, erzählt Tieber.
Er findet das schade. Denn keine Lehrlinge bedeutet, dass sein Handwerk immer seltener wird. Mit der „Zeitwerkstatt“ mitten in Markt Hartmannsdorf ist Tieber wohl der einzige Uhrmachermeister in der Umgebung. Er verkauft nicht nur, sondern repariert auch. Kundinnen und Kunden kommen von Wien, dem Burgenland, selbst aus Liechtenstein hatte er schon Aufträge. Auch in Schlössern, wie in jenem in Eggenberg, bringt er alte Uhrwerke wieder zum Laufen. Aber auch Taschen- und Armbanduhren richtet er her. Für das Handwerk muss man brennen, meint der Antiquitäten-Liebhaber: „Es braucht auch Perfektion.“ Auch, wenn er so schnell keine Lehrlinge aufnehmen kann, glaubt er an einen Aufschwung des selten gewordenen Handwerks. „Alte Uhren und Erbstücke wird es immer geben. Der Beruf ist selten, aber gefragt. Vielleicht wird er dann auch wieder beliebter“, wagt Tieber einen Blick in die Zukunft. Die eigene Zukunft bringt ihm erstmal einen Umzug: Schräg gegenüber seiner jetzigen Werkstatt an der Markt Hartmannsdorfer Hauptstraße, neben dem ehemaligen Gasthaus Huber, wird am neuen Geschäft samt Werkstatt gebaut.
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